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Werkverzeichnis 4.0



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Unterseeischer Wald / Celestial Forest
[Details]

 3078 

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2012-08



Melted Collage

160 x 150 cm || 62.4 x 58.5 inches



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Ausgezeichnet mit dem Drüggelter Kunstpreis 2013

Ausstellungen:
2015 Kunstverein Fröndenberg
2014 Musikschule Warstein "Interdependencias"
2013 Drüggelter Kunststückchen

Nobody Notices
a cat
fell into
the ocean.
a fish
fell into
the sky.
nobody notices anymore.
nobody even asks why.
[Yolantha Harrison-Pace]

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Das Bild ist entstanden, als ich am Möhnesee wohnte. Der Möhnesee liegt am Nordrand des Arnsberger Waldes, der zu dem größten zusammenhängenden Waldgebiet in Deutschland gehört. Der Möhnesee ist ein Stausee (der größte in Nordrhein-Westfalen). Bevor der See geflutet wurde, befand sich an der Stelle ein bewaldetes Flusstal.
Und oft, wenn ich über den See blickte, wurde mir klar, dass dieser Wald im Grunde immer noch vorhanden ist.
Von Zeit zu Zeit wird das Wasser des Sees abgelassen, und man kann den Grund des Sees sehen: Schlamm und Steine, keine Spur von einem Wald. Kurze Zeit später werden die Schotts wieder geschlossen, und das Wasser kommt zurück. Keine Spur von einem Wald.
Würden jedoch nicht die Schotts geschlossen, und das Wasser käme nicht zurück, könnte jeder nach kurzer Zeit den Wald sehen, den der Künstler am Ufer des Sees sitzend sieht.
Oder steht das Bild, das zu 100% aus Plastik besteht, für die Überflutung unserer Gewässer mit Pastikmüll? Selbst an den Stränden der Antarktis findet sich Mikro-Plastik, ein künstlicher Wald, der die Welt erobert.
Befindet sich der Wald unter dem Wasser - unterseeisch? Oder befindet er sich im Himmel - celestial? Lebt der Wald oder ist er tot?
Oder beides gleichzeitig, wie die in dem Bild verborgene schrödingersche Katze vermuten lässt? Steht dieser unterseeisch-himmlische Wald für die Quantenphysik, die 100 Jahre nach ihrer ersten Formulierung noch nicht zu einer weltbildformenden Instanz geworden ist, weil sie von einem Meer aus Ignoranz und Glaubenskriegen überflutet ist?
Oder sind es die unterseeischen Wälder der Urzeit, jene Pflanzen, Tiere und Mikroben, die über den Umweg des Erdöls die Grundlage für den Kunststoff bilden, aus dem das Bild besteht, die hier wieder zum Leben erweckt werden?
Vielleicht ist es aber auch das Auftauchen einer Kindheitserinnerung vom Tauchen in der glasklaren Adria, aus einer Zeit, in der etwas Seegras ein Wald ist, in dem wahlweise Meerjungfrauen oder Ungeheuer wohnen. Einmal habe ich dort einen Katzenhai gesehen, was immerhin eine gute Erklärung für die doch eigentlich aguaphobe Katze in dem unterseeischen Wald wäre.
Offensichtlich ist die Bildbeschreibung eine Glaubensfrage. Kunst ist die Metaphysik des postreligiösen Zeitalters.